In der Öffentlichkeit sieht man sie nur gelegentlich, zum Beispiel bei Prozessionen und in festlichen Gottesdiensten: die Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Die Ordensritter tragen dann ihren weißen Ordensmantel, die Ordensdamen einen schwarzen Mantel, auf diesen in leuchtendem Rot das fünffache "Jerusalemkreuz". Das eigentliche Engagement in gemeinsamer christlicher Überzeugung aber geschieht fast unauffällig:
Der päpstliche Ritterorden - ein Laienorden, dem auch Geistliche angehören - ist nicht Dekoration, nicht nur Auszeichnung. Dem Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem gehören seine Mitglieder in der Überzeugung an, einander im Glauben zu stärken und der Kirche Christi und den Christen im Heiligen Land zu dienen. Sie wollen Bewährtes bewahren, die ritterlichen Tugenden lebendig erhalten und zugleich, offen für die Welt von heute, diese in christlichem Geist mitgestalten.
Auch wenn der Leitspruch des Ordens, "Deus lo vult" ("Gott will es"), dies nahelegen könnte: Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem stammt nicht aus der Zeit der Kreuzzüge. Er verdankt seinen Ursprung dem seit dem 14. Jahrhundert belegten Brauch, am Ort von Tod und Auferstehung Jesu Christi den Ritterschlag zu empfangen. Die Franziskaner als Wächter des Heiligen Grabes in Jerusalem hielten dieses Brauchtum in Vollmacht und Förderung der Päpste über die Jahrhunderte hinweg lebendig. Seine jetzige Ordnung erhielt der Ritterorden vom Heiligen Grab im Jahre 1868 durch Papst Pius IX. Der Ritterorden gelangte weit über Europa hinaus zu großer Blüte. Unter den Päpsten des 20. Jahrhunderts bekam er neue Statuten und auch seine kirchenrechtliche Verankerung. Fundament des Ordens ist die christliche Lebensführung seiner Mitglieder in besonderer Treue zu Kirche und Papst.
Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem hat es sich zu besonderen Aufgaben gesetzt, die katholische Kirche im Heiligen Land, besonders das Lateinische Patriarchat von Jerusalem, mit zahlreichen religiösen, wohltätigen, sozialen und kulturellen Aktivitäten zu unterstützen. Dies reicht vom Bau und Unterhalt von Kirchen, Schulen, Kindergärten, Sozialstationen und Altenheimen bis zur Ausbildung junger Leute und der direkten Hilfe für sozial Schwache und Benachteiligte, auch über konfessionelle Grenzen und trennende Unterschiede zwischen Religionen im Heiligen Land hinweg.
So werden u. a. Einrichtungen gefördert, die außer Christen auch Muslimen und Juden dienen. Der Ritterorden ist überzeugt, dass christliche Nächstenliebe dort besonders wirken kann, wo sie zu einem besseren Miteinander der Völker, Religionen und Gruppierungen beiträgt. Mit finanziellen Mitteln in beträchtlicher Größenordnung, durch persönlichen Einsatz und nicht zuletzt durch ihr Gebet wollen die Damen und Ritter des Ordens wirksame Hilfe für die Menschen im Heiligen Land leisten. Ohne das Wirken des Ordens wäre die Arbeit vieler christlicher Einrichtungen und Gemeinschaften gefährdet.
Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem ist heute in 39 Ländern in aller Welt verbreitet. Ihm gehören rund 28.000 Mitglieder in 58 Statthaltereien an. An der Spitze des Ritterordens, der seinen Sitz in Rom hat, steht ein Kurienkardinal als "Kardinalgroßmeister". Der Lateinische Patriarch in Jerusalem ist "Großprior" des Ordens. Die einzelnen Statthaltereien werden von einem Statthalter geleitet, der dem Laienstand angehört. Die geistliche Leitung liegt in den Händen eines Diözesanbischofs als "Großprior" der Statthalterei. In Deutschland gehören dem Ritterorden 1.397 Mitglieder an: 243 Damen und 972 Ritter, unter ihnen 182 Geistliche. Unterteilt ist die Statthalterei in sechs Ordensprovinzen bzw. 38 regionale Komtureien, an deren Spitze jeweils ein "Präsident" bzw. ein "Leitender Komtur" steht.
Politische Aufgaben nimmt der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem nicht wahr. Noch weniger strebt er nach wirtschaftlicher Macht. Vielmehr arbeitet er engagiert auf unterschiedlichen Ebenen an der Verwirklichung christlicher Ziele und Aufgaben. So ansprechend Profil und Spiritualität des Ordens erscheinen mögen, um eine Mitgliedschaft bewerben kann man sich nicht. Es sind die Ordensdamen und Ritter selbst, die geeignete Kandidaten vorschlagen, die Gewähr dafür bieten, die Ordensziele zu erfüllen. Die Aufnahme in den Orden wird zweimal jährlich in einer feierlichen Investitur vorgenommen. Dort empfangen die Kandidatinnen und Kandidaten im Auftrag des Kardinalgroßmeisters durch den Großprior Ordensmantel und Ordensinsignien, die Kandidaten zudem den Ritterschlag.
In Bamberg die Komturei St. Heinrich und Kunigunde, Leitender Komtur Gerhard Öhlein, mit 43 Mitgliedern.
In Nürnberg die Komturei Caritas Pirckheimer, Leitender Komtur Dr. Gerhard Lugert, mit 74 Mitgliedern. Die Ordensprovinz Bayern hat 383 Mitglieder. Die Mitglieder des Ritterordens engagieren sich oft auch in den Gremien des Pfarrgemeinderates, des Katholikenrates, des Dekanatsrates und des Diözesanrates, oft auch in den sozialen Einrichtungen wie z. B. des Malteser Hilfsdienstes und der Caritas.
Für die Komturei St. Heinrich und Kunigunde Bamberg
Dr. med. Ursula Kleinecke
ursula.kleinecke@oessh.net
Für die Komturei Caritas Pirckheimer Nürnberg
Dr. med. Christian Möllenhoff
christian.moellenhoff@oessh.net